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Kapitel 6

Harmonielehre: Stufen, Funktionen, Kadenz & Modulation

Harmonische Analyse kann Akkorde nach ihrer Stufe in der Tonleiter oder nach ihrer Funktion im tonalen Spannungsverlauf benennen.

Stufentheorie

Akkorde werden mit römischen Ziffern I–VII bezeichnet. In C-Dur: I C-Dur, II d-Moll, III e-Moll, IV F-Dur, V G-Dur, VI a-Moll, VII h-vermindert.

Vorteil: präzise Position im Tonvorrat; hilfreich für Sequenzen und Vergleich verschiedener Tonarten.

Funktionstheorie

T Tonika = Zentrum/Bestätigung · S Subdominante = Öffnung/Entfernung · D Dominante = Spannung/Rückkehrimpuls. Parallelen: Tp, Sp, Dp bzw. in Moll entsprechend tP, sP, dP.

Vorteil: beschreibt harmonische Rolle und Verwandtschaft.

Die einfache Kadenz

T – S – D – T ≙ I – IV – V – I

In Dur bestätigt diese Folge die Tonart besonders deutlich. In Moll wird die Dominante häufig durch Erhöhung der 7. Stufe zum Durakkord, damit ein Leitton zur Tonika entsteht.

Kadenz hören

Authentischer Schluss

Dominante → Tonika (V–I). Besonders stark, wenn Grundtöne im Bass und die Tonika metrisch betont erreicht wird.

Plagaler Schluss

Subdominante → Tonika (IV–I). Klanglich weniger dominantisch zugespitzt.

Trugschluss

Dominante löst sich unerwartet, häufig nach VI, statt nach I. Die erwartete Schlusswirkung wird hinausgezögert.

Stimmführung – warum Akkorde nicht bloß „Blöcke“ sind

Im mehrstimmigen Satz werden Akkorde so verbunden, dass einzelne Stimmen möglichst sinnvoll verlaufen: gemeinsame Töne bleiben häufig liegen, Schritte werden gegenüber großen Sprüngen bevorzugt, Gegenbewegung ist oft günstig. In traditionellem vierstimmigem Satz werden parallele Quinten und Oktaven vermieden.

Vorhalte und Durchgangstöne

Nicht jeder Ton ist ein Akkordton. Durchgangstöne verbinden Akkordtöne schrittweise. Vorhalte halten einen Ton über den Harmoniewechsel hinaus und lösen ihn anschließend meist schrittweise auf. Diese Töne erzeugen Bewegung und Spannung, ohne die Grundharmonie aufzuheben.

Modulation

Eine Modulation ist ein Wechsel des tonalen Zentrums, bei dem die neue Tonart tatsächlich bestätigt wird. Häufig geschieht das diatonisch über einen gemeinsamen Akkord mit Doppelfunktion, chromatisch durch Alteration oder enharmonisch durch Umdeutung eines Akkords. Eine kurze Ausweichung ohne stabile Bestätigung ist noch keine ausgeführte Modulation.

Zwischendominante / Doppeldominante

Ein vorübergehend leiterfremder Dur- oder Dominantseptakkord kann einen Zielakkord wie eine lokale Tonika behandeln. Die Dominante der Dominante heißt Doppeldominante. In C-Dur ist D-Dur bzw. D7 eine typische Doppeldominante, die nach G führt.

Neapolitanischer Sextakkord

Eine besondere chromatische Subdominantform, meist in Moll: der Dreiklang auf der erniedrigten 2. Stufe erscheint häufig in der 1. Umkehrung. In cis-Moll ergibt sich z. B. D-Dur in Sextlage als charakteristische Vorbereitungsfarbe vor der Dominante.

Notenausschnitt mit Akkordfolge aus Pachelbels Kanon in D-Dur
Werkausschnitt aus dem bereitgestellten Crashkurs Harmonielehre: Pachelbels Kanon zeigt eine wiederkehrende Stufen- und Funktionsfolge mit gut nachvollziehbarer Bassbewegung.